Licht machen oder Licht setzen
Jeder kann einen Raum erhellen. Deckenlampe an, Fenster auf, vielleicht noch eine Schreibtischleuchte – fertig. Doch wer schon einmal ein Unternehmensvideo gesehen hat, das aussah wie eine Videokonferenz im Homeoffice, kennt den Unterschied: Zwischen „Licht machen“ und „Licht setzen“ liegen Welten.
Dieser Unterschied entscheidet, ob Ihr Imagefilm professionell wirkt oder nach Amateurvideo aussieht. Ob Ihre Mitarbeiter im Recruitingfilm sympathisch und kompetent rüberkommen – oder wie Verdächtige unter Neonröhren.
Was „Licht machen“ bedeutet
„Licht machen“ heißt: genug Helligkeit schaffen, damit die Kamera ein Bild aufnehmen kann. Das Ergebnis ist meist flach, konturlos, beliebig. Die Person vor der Kamera wirkt zweidimensional, das Bild hat keine Tiefe, keine Atmosphäre.
Typische Merkmale:
- Gleichmäßige Ausleuchtung ohne Schatten
- Deckenbeleuchtung als Hauptlichtquelle
- Keine bewusste Kontrolle über Lichtrichtung oder -qualität
- Gesichter wirken platt, Details verschwimmen
Was „Licht setzen“ bedeutet
Licht setzen ist Gestaltung. Es bedeutet, bewusst zu entscheiden: Woher kommt das Licht? Wie hart oder weich ist es? Welche Bereiche liegen im Schatten, welche werden betont? Gutes Lichtdesign erzeugt Dreidimensionalität, Stimmung – und lenkt den Blick.
Die klassische Drei-Punkt-Beleuchtung (Führungslicht, Fülllicht, Kante) ist dabei nur der Anfang. Ein erfahrener Kameramann arbeitet oft mit nur einer oder zwei Leuchten, kombiniert sie mit Tageslicht und nutzt die Umgebung intelligent.
Die wichtigsten Faktoren beim Licht setzen:
- Richtung – Seitliches Licht erzeugt Tiefe und Kontrast, frontales Licht wirkt flacher
- Qualität – Weiches Licht (durch Diffusoren) schmeichelt Gesichtern, hartes Licht betont Strukturen
- Licht-Schatten-Verhältnis – Gerade die Schatten machen ein Bild interessant
- Farbtemperatur – Warmes Licht wirkt einladend, kühles Licht distanziert
Warum das für Ihren Imagefilm entscheidend ist
Ein Imagefilm zeigt Ihr Unternehmen, Ihre Mitarbeiter, Ihre Arbeitsweise. Zuschauer treffen innerhalb von Sekunden eine unbewusste Entscheidung: Vertraue ich diesen Menschen? Wirkt das professionell? Will ich hier arbeiten oder mit diesem Unternehmen zusammenarbeiten? Gutes Licht erzeugt Vertrauen.
Schlechtes Licht sabotiert alles andere. Sie können die beste Geschichte erzählen, die charismatischsten Mitarbeiter vor die Kamera stellen, den inspirierendsten Schnitt montieren – wenn die Beleuchtung nicht stimmt, wirkt das Ergebnis amateurhaft. Der Unterschied lässt sich auf eine einfache Formel bringen: TV-Qualität statt YouTuber-Look.
Natürliches vs. künstliches Licht – warum nicht beides?
Die Frage „Soll ich mit natürlichem oder künstlichem Licht arbeiten?“ führt oft in die Irre. Professionelle Kameramänner nutzen beides, denn sie verstehen, dass natürliches Licht genauso „gesetzt“ werden kann wie künstliches.
Tageslicht aus einem Fenster kann als weiches Führungslicht dienen. Die „goldene Stunde“ kurz nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang liefert warmes, schmeichelhaftes Licht, das Gesichter dreidimensional modelliert. Aber: Natürliches Licht ist unberechenbar. Wolken ziehen auf, die Sonne wandert, das Wetter schlägt um.
Das kann die Produktion massiv stören. Künstliches Licht gibt Kontrolle, aber nur, wenn man weiß, was man damit erreichen will. Die Kombination aus beidem, intelligent abgestimmt, liefert die besten Ergebnisse. Ein Beispiel: Tageslicht als Hauptlicht, ergänzt durch eine LED-Leuchte als Kante, die die Person vom Hintergrund abhebt.
Was passiert am Set – und warum Coaching den Unterschied macht
Professionelles Licht setzen ist nur die halbe Miete. Die andere Hälfte: Die Menschen vor der Kamera müssen sich wohlfühlen.
Grelles, schlecht positioniertes Licht macht nervös. Eine Leuchte, die blendet, lässt jeden verkrampfen. Umgekehrt schafft ein durchdachtes Lichtsetup eine Atmosphäre, in der Interviewpartner entspannen und authentisch wirken können.
Die Erfahrung zeigt, dass Menschen vor der Kamera souveräner wirken, wenn das technische Setup stimmt – und wenn jemand sie durch die Situation führt, der weiß, wie Licht auf Gesichter wirkt und wie Nervosität entsteht.
Die praktische Umsetzung
Je nach Budget und Anforderung variiert das Licht-Setup erheblich. Ein Recruitingfilm, der Authentizität ausstrahlen soll, braucht anderes Licht als ein hochglanzpolierter Imagefilm für einen Konzern. Ein Interview-Format mit einer Person erfordert weniger Aufwand als eine Szene mit mehreren Darstellern in Bewegung.
Die gute Nachricht: Gutes Licht ist nicht zwingend eine Frage des Budgets. Ein erfahrener Kameramann mit einer einzigen, gut positionierten Leuchte erzielt oft bessere Ergebnisse als ein Anfänger mit zehn Strahlern.
Der Workflow bei einer professionellen Produktion sieht typischerweise so aus:
- Kick-off und Location-Check: Wie sind die Lichtverhältnisse vor Ort? Welche natürlichen Lichtquellen gibt es? Wo sind problematische Reflexionen?
- Konzeption: Welche Stimmung soll der Film transportieren? Warm und einladend? Dynamisch und modern? Seriös und kompetent?
- Technische Planung: Welche Leuchten werden benötigt? Wie wird mit dem vorhandenen Licht umgegangen?
- Dreh mit aktivem Licht-Management: Anpassung an wechselnde Bedingungen, Feintuning während der Aufnahmen
- Postproduktion: Color Grading verstärkt die Lichtstimmung, korrigiert Inkonsistenzen, vereinheitlicht den Look
Drei Lichtsituationen, drei Lösungen
Situation 1: Interview mit dem Geschäftsführer
Klassisches Setup mit ein oder zwei Leuchten. Führungslicht leicht seitlich von oben (30–45 Grad), eventuell ein Aufheller oder Kante von der Gegenseite. Ziel: kompetent, nahbar, vertrauenswürdig. Harter Schatten unter dem Kinn wirkt autoritär, weiches Licht auf Augenhöhe wirkt zugänglicher.
Situation 2: Mitarbeiter am Arbeitsplatz (Recruitingfilm)
Hier geht es um Authentizität. Das Licht sollte natürlich wirken, nicht nach Studio aussehen. Oft reicht eine dezente Aufhellung des vorhandenen Lichts. Die Kunst besteht darin, die Atmosphäre des Raums zu erhalten, während man technisch einwandfreie Bilder bekommt.
Situation 3: Produkt in der Fertigung (Imagefilm)
Industrieumgebungen sind lichttechnisch anspruchsvoll – Neonröhren, Mischlichtsituationen, reflektierende Oberflächen. Hier braucht es Erfahrung, um die vorhandene Atmosphäre zu nutzen, ohne in Farbstiche oder unvorteilhaftes Licht abzurutschen.
Der unsichtbare Unterschied, der alles verändert
Die meisten Zuschauer können nicht erklären, warum ein Video professionell wirkt und ein anderes nicht. Sie spüren es nur. Gutes Licht ist wie gute Tonmischung: man bemerkt es nicht, wenn es stimmt. Aber man bemerkt sofort, wenn es nicht stimmt. Der Unterschied zwischen „Licht machen“ und „Licht setzen“ ist letztlich der Unterschied zwischen Zufall und Absicht, zwischen Improvisation und Handwerk, zwischen YouTube- und Fernsehqualität.
Was Ihr nächster Imagefilm braucht
Wenn Sie einen Imagefilm oder Recruitingfilm planen, stellen Sie nicht nur die Frage: „Wer filmt das?“ Fragen Sie: „Wer versteht Licht?“ Die Antwort auf diese Frage entscheidet darüber, ob Ihre Mitarbeiter im Film so wirken, wie Sie sie erleben.
Haben Sie ein Filmprojekt im Kopf? PIXELFLOW produziert Imagefilme und Recruitingfilme für Unternehmen in München, Bayern und ganz Deutschland – mit dem Anspruch, Ihr Unternehmen authentisch und professionell zu zeigen. Mehr unter pixelflow.de/imagefilm.
Über den Autor

André Schmitt ist Inhaber von PIXELFLOW TV & FILMPRODUKTION und arbeitet seit Jahren als Kameramann für öffentlich-rechtliche Sender und private Auftraggeber. Sein Schwerpunkt liegt auf EB-Produktionen, Imagefilmen und dokumentarischen Formaten. Zu den Social-Media-Profilen: Facebook https://www.facebook.com/pixelflowfilm, LinkedIn https://www.linkedin.com/company/7555749.
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